Zurück zur Übersicht                          Freilauf oder Wohnungshaltung

 

Dieses Thema ist unter Katzenhaltern sehr umstritten. Neulinge fragen oft verunsichert, ob sie ihrem zukünftigen Stubentiger gerecht werden, wenn er nicht nach draußen darf. Sie haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie der Katze den Freigang verweigern. Dieses Kapitel soll bei der Entscheidungsfindung behilflich sein.

Befürworter des Freilaufs haben folgende Argumente:

  • Geborene Streuner kann man nicht einsperren. Ist eine Katze mit Freilauf groß geworden, wird sie für ihre Freiheit kämpfen und ihren Halter mit Sanktionen wie Unreinheit und Wandalismus zur Einsicht bekehren.
  • Wenn eine Wohnungskatze im Haus nur wenige Umweltreize erfährt, werden ihre Sinne nicht trainiert und die Katze geistig nicht gefordert.
  • Nur im Garten kann die Katze ihrem Jagdtrieb richtig nachkommen, Mäuse und Insekten jagen. Kein Spielzeug kann dies ersetzen.
  • Im eigenen Garten kann man einige Gefahrenquellen ausschließen.

Es gibt aber viele Fakten, die gegen den Freilauf und somit für die
reine Wohnungshaltung sprechen:

  • Manche Katzenrassen sind aufgrund ihres Fells nicht geeignet, ganzjährig Freigang zu genießen. Große Temperaturschwankungen zwischen draußen und drinnen führen zu Erkältungen.
  • Wenn sich eine Katze einmal an regelmäßige Ausflüge gewöhnt hat, wird sie nicht bereit sein, darauf zu verzichten. Was ist dann im Winter? Oder nach einem Wohnungswechsel? Fehlender Freilauf hat schon öfters dazu geführt, dass eine Katze abgegeben werden musste.
  • Draußen lauern zahlreiche Gefahren wie z.B. Hunde, Parasiten, Krankheiten, Rattengifte und Pflanzenschutzmittel, die insbesondere für unerfahrene Freigänger tödlich sein können. Zahlreiche Giftpflanzen sind in Gärten und Parkanlagen zu finden. Der Straßenverkehr ist insbesondere für zutrauliche und unerfahrene Tiere gefährlich. Entgegen der allgemeinen Meinung werden in ländlichen Gegenden mehr Katzen überfahren als in Städten.
  • Parkende Autos ziehen die Stubentiger magisch an. An heißen Tagen spenden sie Schatten, bei Kälte dient der warme Motor als Wärmebank. Katzen klettern oft von unten in den Motorraum. Abgesehen davon, dass ihr Fell mit giftigen Öldreck verunreinigt wird, kann dies zur tödlichen Falle werden, wenn der Motor gestartet wird.
  • Leider sind zu bestimmten Zeiten und in gewissen Gegenden verstärkt Katzenfänger unterwegs, die Versuchsanstalten beliefern. Ansonsten gibt es viele Menschen, die achtlos fremde Katzen mitnehmen und bei Nicht(mehr)gefallen wieder aussetzen. Insbesondere zutrauliche Rassekatzen kommen so leicht abhanden.
  • Leider gibt es einige Hundehalter, die ihre Tiere auf Katzen abrichten. In ländlichen Gegenden sind Attacken durch Greifvögel und andere wild lebende Tiere oder der Abschuss als streunende Katze durch Förster möglich.
  • Bei potenten Weibchen kann es zu ungewünschten Verpaarungen mit unbekannten Katern kommen. Potente Männchen könnten sich bei Katerkämpfen verletzen. Darüber hinaus können Krankheiten wie z.B. Leukose und FIP oder Parasiten übertragen werden.
  • Da Katzen von Natur aus Räuber sind, werden sie in der Nachbarschaft auch Singvögeln und anderen Tieren nachstellen, was bei vielen Nachbarn Unmut und gegebenenfalls. Gegenmaßnahmen erzeugen wird.
  • Viele als sicher geglaubte Absperrungen werden überwunden. Aber schafft die Katze auch den Weg zurück?

Es gibt auch Alternativen: Außengehege und Leinenausgang

Das Außengehege
Es ist nur möglich, wenn man Haus und Garten sein Eigen nennt und die räumlichen Gegebenheiten die Erstellung eines Geheges erlauben. Der Bau ist mit großem Kosten- und Zeitaufwand sowie Platzbedarf verbunden und bietet der Katze eine kleine Freiheit mit geringen Risiken. Wichtig ist eine hermetische Abriegelung. Aufgrund des Infektionsrisikos von außen durch den Zaun ist ein kompletter Impfschutz erforderlich.

Spaziergang an der Leine
Einige Katzenrassen, wie z.B. Tonkanesen, Thaikatzen, Siamesen, lassen sich sehr leicht an die Leine gewöhnen. Man kann sie somit unter Aufsicht "spazieren führen". Aber: Im Gegensatz zum Hund werden keine weiten Strecken zurückgelegt und das Schritttempo wird nicht vom Herrchen bestimmt. Es wird hier geschnuppert und dort geknabbert, ein Mauseloch bewacht, einem Insekt nachgestellt oder in der Sonne relaxt. Dies wird für den Zweibeiner auf Dauer recht langweilig.
Wer sich dennoch hierzu entschließt, muss sich darüber im Klaren sein, dass sich die Katze an regelmäßige Ausflüge gewöhnt und sie, falls es ihr gefällt, sie dann später auch erwartet. Außerdem besteht die Gefahr, dass sich die Katze Krankheitserreger oder Parasiten einfängt. Spaziergänge sollten nur im Garten stattfinden, belebte Straßen und Parkanlagen sind nicht geeignet, da sie zu einer extremen Stresssituation führen.
Sie tun ihrem Stubentiger keinen Gefallen, wenn sie ihm "zur Abwechslung" ständig neue Gegenden präsentieren. Katzen fühlen sich nur in gewohnter Umgebung sicher und wohl.

Fazit
Ob Wohnungshaltung oder Freigang die bessere Wahl ist, kann nicht pauschal beantwortet werden. Die Entscheidung ist von den individuellen Gegebenheiten abhängig. Die Tatsache, dass es für beide Haltungsformen sowie für die Alternativen eifrige Verfechter gibt, ist darin begründet, dass die Katzenhalter in sehr verschiedenen Situationen unterschiedliche Erfahrungen gesammelt haben. Man kann daher nicht sagen, dass eine Meinung grundsätzlich falsch oder richtig ist. Je nach Lebenssituation des Halters, örtlichen Gegebenheiten, Herkunft und Rasse der Katze wird die Entscheidung anders ausfallen.
Hat man sich für eine Form entschieden, muss man auch konsequent bleiben. Katzen sind Gewohnheitstiere. Bauen Sie bitte keine Erwartungshaltung auf, die enttäuscht wird. Eine frustrierte Katze ist kein guter Lebensgefährte.
Insbesondere die seit vielen Generationen im Haus lebenden Rassekatzen können bei reiner Wohnungshaltung ein glückliches und abwechslungsreiches Leben führen. Es ist wichtig, dass die Wohnung katzengerecht ist und die Katze gut versorgt und betreut wird. Katzen mit Freigang brauchen einen umfassenden Impfschutz und müssen regelmäßig auf Parasiten untersucht werden. Die Eigenarten der jeweiligen Katzenrasse müssen berücksichtigt werden.

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